Lillis Erfinderinnen

Eva Schöffmann-Davidov

Eva Schöffmann-Davidov

Ich bin 1973 geboren. Schon als Kind habe ich alles gezeichnet, was mir vor den Pinsel kam. Nach dem Abitur besuchte ich die Freie Kunstwerkstatt in München und studierte anschließend Kommunikationsdesign in Augsburg. Ich habe über 300 Bücher illustriert, vorwiegend für Kinder- und Jugendbuchverlage. Ich lebe, liebe und arbeite in Augsburg.



Interview mit Eva

Wie gehen Sie an Ihre Illustrationen heran?

Weil ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, mache ich selten Skizzen, sondern gestalte einfach drauflos, da ich es nicht erwarten kann, das Bild aus meinem Kopf auf Papier zu bannen. Leider werde ich im laufenden Arbeitsprozess immer langsamer und pingeliger und gebe meine Arbeit meistens zu spät ab ...

Haben Sie eine bestimmte Technik?

Momentan arbeite ich hauptsächlich am Computer. Ich starre stundenlang auf meinen großen Monitor und zeichne mit einem Zauberstift von Wacom auf ein Plastiktablett. Der Stift ist genau auf meine Bedürfnisse eingestellt und reagiert auf den Druck meiner Hand, wie ein Pinsel oder Bleistift. Er sieht aus wie ein dicker, bequemer Kugelschreiber, und ich verlege ihn ständig, weil er ohne Kabel funktioniert ...

Wer »redet« bei der Gestaltung der Bücher überhaupt grundsätzlich mit? Was müssen Sie besonders beachten?

Erster Ansprechpartner ist der Verlag, für den ich arbeite, und dort die Lektorin, die das Buch betreut. Es hängt von der Größe und Struktur des Verlags ab, wie viele Hürden auf dem Weg zum fertigen Buchtitel genommen werden müssen. Am wichtigsten ist die Akzeptanz beim Kunden, also bei den Kindern und Jugendlichen. Ich lege meine Bilder oft und gerne den Kindern aus der Nachbarschaft vor und lasse sie auch manchmal zwischen zwei Versionen abstimmen, wenn ich mir nicht sicher bin.

Wie viele Buchtitel illustrieren Sie im Jahr?

Ich arbeite seit über zehn Jahren als Illustratorin und habe seitdem ungefähr 300 Cover gestaltet. Außerdem bestimmt über 500 Illustrationen für die Innenseiten von Büchern. Das macht im Jahr also circa 30 Titel. Ich versuche, jedem Buch mit einem eigenen Stil gerecht zu werden. Nach vielen Jahren als Illustrator macht mich mein Beruf immer noch glücklich.

Zeichnen Sie am liebsten Kinderbücher?

Ich hab manchmal darüber gemault, dass ich für viele Märchenbuchcover engagiert werde, aber inzwischen bin ich damit versöhnt, freue mich über die liebevolle Resonanz der Leser, ihre selbst gezeichneten Bilder und meine tolle Fanpost. Ich gestalte also gerne Bücher, die dem Leser gefallen.

Was machen Sie außer Zeichnen sonst noch gerne?

In den vergangenen vier Jahren habe ich eine Zeichenklasse unterrichtet, aber ich wollte etwas mehr Zeit für meine Illustrationen und habe damit aufgehört. Ich höre Hörbücher bei der Arbeit oder telefoniere mit Freunden und Kollegen, die auch irgendwo in Deutschland allein in Ihren Ateliers sitzen und Bilder malen. Ich liebe meine französische Bulldoge Daphne, treffe Freunde, lese, liebe Filme, reise - wenn möglich -, veranstalte oft ein Riesenchaos und mache mit meiner Familie im Sommer Lagerfeuer im Garten.

Haben Sie schon immer gerne gemalt?

Das Bedürfnis zu zeichnen ist mir angeboren. Ich habe mich darauf verlassen, dass mich meine Kreativität in irgendeinen Beruf tragen wird. Das hätte auch Malerei, Mode, Theater oder Film sein können. Nach meinem Diplom in Kommunikationsdesign wollte ich eigentlich an der Akademie weiterstudieren, landete stattdessen auf der Kinderbuchmesse in Bologna, war begeistert und bin seitdem ein »Covergirl«.

Wie »mädchenhaft« muss ein Mädchenbuch sein?

Rosa Wangen, große Gefühle und Glitzerlidschatten sind ein Muss. Ich rüsche das Buch nach bestem Gewissen auf. Es muss zwar nicht immer Rosa sein, aber wenn es lange Haare gibt, muss man die nicht unter einer Pudelmütze verstecken, sondern darf sie wild schütteln.

Illustrieren Sie ein als eher unscheinbar beschriebenes Mädchen auf dem Cover schöner und eine hübsche Zicke sympathischer?

Meine Meerjungfrau Emily ist keine klassische Schönheit. Sie hat einen knabenhaften Oberkörper, eine große Nase und kleine Augen. Wenn das unscheinbare Mädchen unsere Heldin ist und wichtig genug, um aufs Buch zu dürfen, hat es bestimmt eine besondere Charaktereigenschaft oder besondere Geistesgaben.

Und welche ist Ihre Lieblingsfarbe?

Krapplack. Neben vielen weiteren Lieblingsfarben.